Die Inseln des ewigen Frühlings

Kanarische Inseln –
Konzertplatz für die Weltelite

Las Palmas Gran Canaria Foto: selbst

Die kanarischen Inseln starten kunstsinnig und musikalisch in das neue Jahr: Mit dem Festival für Klassische Musik auf allen Inseln,
dem Internationalen Filmfestival auf Gran Canaria und, ebenso auf
allen Inseln, der Fiesta del Almendro en Flor – dem Fest der Mandelblüte.

In den letzten vierzehn Tagen vor Aschermittwoch hält der Karneval die Inseln in Atem. El Carnaval de las Canarias ist eine der größten Karnevalsveranstaltungen Europas,
die sogar mit der von Rio de Janeiro konkurrieren kann. Jede Karnevalsfeier steht
unter einem eigenen Motto, meist religiösen Ursprungs. Es gibt täglich Umzüge mit
prächtigen Kostümen sowie ein wechselndes Bühnenprogramm in den Stadtzentren.
Von den Kanarischen Inseln ist Gran Canaria kulturell eindeutig führend, gefolgt von
Teneriffa. Kein Wunder, beide Inseln empfangen den jährlichen Großteil der
Touristen. Ihr kulturelles Angebot bewegt sich auf internationalem Spitzenniveau. In
Las Palmas de Gran Canaria sitzt die älteste Philharmonische Gesellschaft
Spaniens, die bereits 1845 gegründet wurde. Daher rührt auch das jährlich
umfangreiche Angebot an Konzerten und Musikfestivals. Zu den Institutionen
gehören das kanarische Musikfestival (Festival de Música de Canarias), das
Opernfestival (Festival de Opera Alfredo Kraus), die Saison des Philharmonischen
Orchesters (Orquesta Filarmónica de Gran Canaria), das Operettenfestival (Festival
de Zarzuela) sowie das internationale Gitarrenfestival. Beliebt ist auch das
Jazzfestival, das sich aus Konzertreihen internationaler Musiker auf Gran Canaria,
Teneriffa, Lanzarote, Fuerteventura und La Palma zusammensetzt. Die meisten
Darbietungen sind umsonst. Stars wie Al Jarreau und Larry Carlton haben dieses
Festival bereits besucht.

Calle de Colon – Las Palmas

Nicht nur diese kulturellen Darbietungen sind sehenswert, vielerorts auf den Kanaren
sind es auch die Auditorien, Theater oder Konzertsäle, in denen sie stattfinden.
Namhafte Architekten und Künstler haben sie geschaffen. So etwa die 2003
eingeweihte Konzerthalle Calatrava in Santa Cruz de Tenerife. Erbaut wurde sie von
dem zeitgenössischen spanischen Architekten Santiago Calatrava, der auch in
europäischen Metropolen wie Berlin, Basel und Barcelona berühmte Bauwerke
geschaffen hat. Das Centro Internacional de Ferias y Congresos wird als
Konzerthalle sowie als Messe- und Kongresszentrum genutzt. Es ist streng
symmetrisch aus Eisen, Glas und Beton gebaut und ein Symbol des modernen Santa
Cruz.

Ein schöner Blickfang: El Teatro Cuyás, das berühmte Opernhaus von Las Palmas
de Gran Canaria. Das Theater hat der Architekt Fernández de la Torre rund um das
ehemalige Kino Cuyás im sachlichen Stil konstruiert. Ein großer Innenhof ermöglicht
es, viele Inszenierungen unter freiem Himmel zu präsentieren.
Auf der Nachbarinsel Lanzarote beeindruckt die moderne Architektur des Auditorio
Jameos del Agua, geschaffen von César Manrique, dessen Lebenswerk darin
bestand, die Insel Lanzarote nur mit ästhetischen Konstruktionen zu bebauen, die
sich in ihr natürliches Landschaftsbild aus schwarzem Lavagestein fügen. Die Anlage
ist in eine Vulkangrotte gebaut, mit einem natürlichen See und einem
wunderschönen Schwimmbad. Ebenso attraktiv ist das weiß gekalkte Gebäude der
Fundación César Manrique auf Lanzarote, ein Kulturzentrum mit ständigen
Ausstellungen, in dem ehemaligen Wohnhaus des Architekten. Auch das Auditorio Alfredo Kraus von Gran Canaria ist auf einem vulkanischen Felssockel erbaut. Direkt am Meer, am Strand von Las Canteras, steht das Gesamtkunstwerk des Architekten Oscar Tusquets und des Bildhauers Juan Bordes. Eröffnet im Jahr 1997, wurde dieser Kongresspalast nach dem kurz zuvor verstorbenen kanarischen Tenor Alfredo Kraus benannt.

Kultur mit Tradition

Unter allen kanarischen Inseln nimmt Lanzarote eine Sonderstellung ein: Die
Vulkaninsel ist sehr geprägt von dem 1992 verstorbenen spanischen Architekten
César Manrique. Ausstellungen, innovative Filmfestivals sowie viel Sinn für visuelle
Kunst und Architektur charakterisieren das Kulturprogramm von Lanzarote.
Während Gran Canaria und Teneriffa mit einem klassisch europäischen sowie einem
künstlerisch sehr modernen Kulturangebot glänzen können, pflegen die Einwohner
der übrigen Inseln vor allem kirchliche Rituale. Die meisten Feiern der Inseln
Fuerteventura, La Gomera, La Palma und El Hierro dienen dazu, einen der vielen
Schutzpatrone zu ehren. Prozessionen und folkloristische Musik prägen ihre Kultur.
Zur Zeit der fiestas, die meist mehrere Tage andauern, arbeiten die Canarios nicht,
beten viel und frönen dem kulturellen Rahmenprogramm wie Musik-, Film- und
Theaterfestivals. Auf dieser Inselgruppe pflegen die Einwohner noch von den
Vorfahren überlieferte Traditionen. Die spanische Kultur vermischt sich hier mit
altkanarischen Sitten und südamerikanischen Einflüssen. So pflegt zum Beispiel die
Insel La Gomera noch eigene, vom Festland unabhängige Bräuche wie die
Pfeifsprache el silbo und den Kampfsport la lucha canaria.
Ein Teil der einheimischen Bevölkerung beherrscht die Pfeifsprache bis heute. Durch
spezielle Techniken können richtige Sprachlaute nachgeahmt werden. In den
Achtzigerjahren nahm die UNESCO die El-Silbo-Sprache in die Liste der
erhaltenswerten Kulturgüter auf. Auf einer der vielen fiestas der Insel dürfte es nicht
schwierig sein, einmal diese musikalische Form der Kommunikation live zu erleben.

Kanaren-Magazin, Hrsg. Gobierno de Canarias, erschienen in Focus und WamS,
April 2004